Carmelo Rifici führt Regie bei Sechs Personen suchen einen Autor von Luigi Pirandello, einem Werk, das aus der Zusammenarbeit mit dem Kroatischen Nationaltheater in Rijeka und dessen Ensemble für italienisches Drama anlässlich des 80. Jahrestags seiner Gründung entstanden ist. Als erstes Werk der Trilogie „Theater im Theater“ gilt es als das berühmteste Meisterwerk des sizilianischen Dramatikers und wird hier in einer Bearbeitung von Fabrizio Sinisi aufgeführt.
Rijeka ist eine Stadt mit einer komplexen Geschichte, die von tiefen politischen, kulturellen und identitären Spaltungen geprägt ist. Als Grenz- und umkämpfte Stadt erlebte sie Besetzungen, Prozesse der erzwungenen Italianisierung, die Wunden des Krieges, den Exodus und später die Folgen des Zerfalls des ehemaligen Jugoslawiens. Hier stehen Sprachen, Kulturen und Zugehörigkeiten weiterhin im Austausch, prallen aufeinander und leben miteinander.
In diesem Kontext hat das Theater von Rijeka diese Komplexität über die Jahre bewahrt, einen fragilen, aber notwendigen Dialog zwischen italienischer und kroatischer Kultur aufrechterhalten und die Bühne in einen Raum der Auseinandersetzung und des kulturellen Überlebens verwandelt.
„Was würde passieren, wenn Pirandellos sechs Figuren Kroatisch sprächen und eine italienische Theatergruppe aufforderten, ihrer Geschichte Gehör zu schenken? Aus dieser Frage entsteht das Stück“, erklärt Rifici. Auf der Bühne ist eine Truppe des Dramma Italiano damit beschäftigt, ihr Jubiläum zu feiern, indem sie Pirandello inszeniert. Doch der Regisseur verspürt das Bedürfnis, darüber hinauszugehen: Das Theater darf sich nicht darauf beschränken, die Vergangenheit zu bewahren, es muss sie in Frage stellen; es muss die Fenster öffnen und eine europäische, zeitgenössische, unruhige Brise hereinlassen. Pirandello muss zur Gegenwart sprechen, aus seiner eigenen Monumentalität heraustreten.“