Dienstag 01 Dezember

Teatrostudio
10.- CHF

Ensemble Cleantha, Gesang
Samuele Telari, Akkordeon
Matteo Manzitti, Komponist und Dirigent

„Lieder von Blut und Feen“ ist eine musikalische Erzählung von großer emotionaler Wucht, inspiriert vom Leben und den Gedichten von Mariella Mehr, einer Schweizer Schriftstellerin jenischer Herkunft, die einem nomadischen und marginalisierten Volk angehört. Geboren in einer von der Angst vor dem Anderssein geprägten Schweiz, wurde Mehr Opfer der Politik des Programms „Kinder der Landstrasse“ (1926–1972), das von der Organisation Pro Juventute gefördert wurde und auf die „Normalisierung“ der Jenischen durch gewaltsame und invasive Assimilationsmaßnahmen abzielte. Das poetische Werk von Mehr ist ein außergewöhnliches Zeugnis dieser Geschichte, die ein verdrängtes Kapitel des heutigen Europas darstellt. Das Musikprojekt beabsichtigt, diese historische und persönliche Wunde in ein kohärentes Klanguniversum zu verwandeln, das diesen Worten Stimme und Gestalt verleihen kann, indem es zeitgenössische Sprachen mit Bezügen zur kulturellen Besonderheit der Jenischen verbindet. Die Präsenz des Akkordeons nimmt dabei auch eine symbolische Rolle ein: Als zentrales Instrument in der musikalischen Tradition der Jenischen stellt es ein identitätsstiftendes und generationsübergreifendes Element dar. In „Lieder von Blut und Feen“ tritt dieses außergewöhnliche Instrument in einen Dialog mit Elektronik und Gesang und beschwört Fragmente der Tradition herauf, die in zeitgenössischen Klangtexturen auftauchen und wieder vergehen. Die phonetische Qualität des Wortes leitet den gesamten Kompositionsprozess, wobei die poetischen Texte sowohl auf Deutsch als auch in der von Anna Ruchat angefertigten italienischen Übersetzung musikalisch erkundet werden.

Als Komponist und Dirigent erhielt er Aufträge von bedeutenden Institutionen wie dem Ensemble Sentieri Selvaggi, dem Orchestra Filarmonica di Torino, den Cameristi della Scala, dem Orchestra dei Pomeriggi Musicali di Milano, dem Ensemble Recherche und der Accademia Filarmonica Romana. Seine Werke wurden von international renommierten Künstlern aufgeführt und in zahlreichen Konzert- und Theaterkontexten in Italien und im Ausland präsentiert. Er ist musikalischer Leiter des Eutopia Ensembles und künstlerischer Leiter des Festivals für zeitgenössische Musik Le Strade del Suono.

Samuele Telari, einer der interessantesten Akkordeonisten der neuen Generation, tritt regelmäßig in bedeutenden internationalen Konzertsälen und bei Festivals auf, darunter bei den Berliner Philharmonikern, der Königlich Dänischen Musikakademie, der Royal Academy of Music in London sowie bei europäischen Akkordeonfestivals. Er ist sowohl als Solist als auch mit Orchester tätig und engagiert sich durch die Zusammenarbeit mit Komponisten und zahlreiche Uraufführungen für die Weiterentwicklung des zeitgenössischen Repertoires. Neben seiner Konzerttätigkeit arbeitet er mit dem Theater und der Musikindustrie zusammen und realisiert innovative Projekte sowie Produktionen, die dem zeitgenössischen Akkordeon gewidmet sind.

Ein Vokalensemble für gleichstimmige Stimmen, bestehend aus vier Musikerinnen, die sich dem alten und zeitgenössischen Repertoire widmen und sich in Forschungsprojekten sowie musikalischen Experimenten engagieren. Das Ensemble hat Werke des zeitgenössischen Repertoires aufgeführt und Uraufführungen für kulturelle Einrichtungen wie die Fondazione Palazzo Ducale und das GOG in Genua präsentiert. Es tritt in Italien und im Ausland mit unkonventionellen Programmen auf, die sich durch einen originellen und interdisziplinären performativen Ansatz auszeichnen.

Als Übersetzerin und Schriftstellerin hat sie bedeutende deutschsprachige Autoren übersetzt, darunter Friedrich Dürrenmatt, Paul Celan, Nelly Sachs, Victor Klemperer, Mariella Mehr und Alexander Kluge. Neben ihrer Übersetzungstätigkeit hat sie ein umfangreiches, preisgekröntes Werk an Prosa und Lyrik verfasst, für das sie unter anderem mit dem Schweizer Literaturpreis ausgezeichnet wurde. Sie arbeitete mit Tageszeitungen und Kulturzeitschriften sowie mit Radio della Svizzera italiana zusammen, leitete zudem die dem Dichter Franco Beltrametti gewidmete Stiftung und war als Adaptorin von Dokumentarfilmen für RSI tätig. Auch im Bildungsbereich ist sie aktiv: Sie unterrichtete an der Civica Scuola Interpreti e Traduttori in Mailand und lehrt derzeit Übersetzung sowie leitet Ausbildungsprojekte für Literaturübersetzer.

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