Ugo Fiore zeichnet für die Bearbeitung und Regie von L’uomo che brucia verantwortlich, einem Stück, das, inspiriert vom Roman L’Homme qui brûle des französischen Autors Alban Lefranc, sich wie ein brutales und ununterbrochenes Eintauchen in einen überhitzten Kopf entwickelt.
In einer vertrauten und doch verzerrten Stadt sind Anschläge keine Ausnahmeereignisse mehr, sondern eine Art Wetterbericht des Alltags. Das Stadtzentrum ist zu einer Zone geworden, die jungen Frauen vorbehalten ist, um deren Jugend und Eleganz zu zelebrieren und so den Tourismus zu fördern. Unterdessen verteilen Soldaten Flugblätter für ein von Banksy signiertes Denkmal: #tutt*unit*controilterrorismo.
Es ist keine dystopische Zukunft, sondern unsere Gegenwart, die bis zur Karikatur auf die Spitze getrieben wurde. Lefrancs Sprache spiegelt diese Entwicklung wider: Sie wechselt von Hashtags zu Bibelversen, von politischen Aphorismen zu pornografischen Szenen, zerfällt und setzt sich ständig neu zusammen.
In diesem Szenario folgen wir Luc, einem Schriftsteller, der vom Projekt besessen ist: einem Gesamtwerk, das alles enthalten kann. Es ist Zuflucht und Lähmung zugleich, ein unermessliches Werk, das alles umfasst, ohne es zurückzugeben. Luc beobachtet die Katastrophe, ohne zu handeln, als stünde er vor einem Bildschirm. Die Worte entleeren sich, die Realität verliert an Substanz. Auch das Verlangen verwandelt sich in eine Form des Automatismus: Pornografie wird zur Grammatik des Blicks und verhindert jede authentische Begegnung. Diese Verzerrung greift auch auf die Verbindung zu seinem Jugendfreund über, einem der letzten Überreste von Zuneigung, der sich in ein mehrdeutiges Geflecht aus Projektionen, Verlangen und Verlust verwandelt.