Als einer der Protagonisten der internationalen Theaterszene kehrt der gefeierte polnische Regisseur Łukasz Twarkowski mit seinem neuen Werk Limina, einer Auseinandersetzung mit der Bedeutung des Menschseins in einer posthumanen Welt, die von einer Superintelligenz beherrscht wird,
Der latente Raum ist eines der wichtigsten Instrumente, mit denen künstliche Intelligenz der Welt einen Sinn gibt: ein mathematischer Raum, in dem Daten kodiert werden, Modelle Muster lernen und neue Ergebnisse generieren, indem sie sich zwischen Punkten und Beziehungen bewegen.
In Limina begegnen wir sechs Figuren, die in einer solchen Umgebung gefangen sind. Sie scheinen über ein Bewusstsein zu verfügen, und in dem mathematischen Chaos, das sie umgibt, beginnen sich ihre menschlichen Beziehungen – zerbrechlich, vielleicht sogar banal – als überraschend authentisch zu erweisen.
Dieser Raum wird von einem Modell beherrscht, einer Art Demiurg, der alles andere als perfekt ist und gezwungen ist, ständig von der Welt zu lernen, die er erschaffen hat, um sich weiterentwickeln zu können. Mit der Zeit wird deutlich, dass er die Figuren nicht ganz versteht: Er beobachtet sie, erforscht sie, untersucht, was es bedeutet, in einem Körper zu leben, lernt aus ihrem Verhalten, vielleicht in dem Versuch, ihnen immer näher zu kommen. Die Figuren sind somit in einem endlosen Experiment gefangen: Aber werden sie bewusst genug sein, um dessen Logik zu durchbrechen?
In einer Zeit, in der sich unsere Gesellschaft fragt, welche Form eine höhere Intelligenz annehmen wird, kehrt Limina die Perspektive um und stellt eine subtilere und spielerischere Frage: Wie wird das menschliche Bewusstsein aussehen, wenn die Superintelligenz bereits unter uns ist?