Frei inspiriert vom Bestseller-Roman von Nicola Lagioia, unter der Regie und in der dramatischen Bearbeitung von Ivonne Capece, La città dei vivi bringt den Abstieg in eine moralische Hölle auf die Bühne, die nicht nur die Protagonisten, sondern eine ganze Gesellschaft betrifft.
Ein absurdes und brutales Verbrechen, einer der erschütterndsten Fälle der italienischen Kriminalchronik der letzten Jahre, wird zum Thema eines Theaterstücks. Der Text geht auf den Mord an Luca Varani zurück, der sich 2016 in Rom ereignete: Zwei scheinbar gut integrierte junge Männer ohne erkennbares Motiv foltern und töten einen Gleichaltrigen. Ausgehend von diesem realen Ereignis konstruiert Nicola Lagioia eine erzählerische Untersuchung, die nicht nach einfachen Erklärungen sucht, sondern in die Dunkelheit des Gewissens vordringt und die Grenze zwischen Schuld und Normalität, zwischen Monstrosität und Alltäglichkeit in Frage stellt.
In La città dei vivi stellt Lagioia nicht nur das Verbrechen in den Mittelpunkt, sondern auch Rom, das zu einer kraftvollen Metapher für das Menschliche wird: lebendig, weitverzweigt, dunkel, fähig anzuziehen und zu verschlingen. Eine Stadt, die vor Sehnsüchten, Illusionen, Einsamkeit und Misserfolgen pulsiert und sich in eine regelrechte Bühnenfigur verwandelt.
Die Protagonisten bewegen sich in einer Spirale aus Faszination und Abscheu, durch eine scharfsinnige Dramaturgie und eine Sprache, die Erzählung, Bekenntnis und Zeugnis vermischt, und fordern das Publikum auf, dorthin zu blicken, wohin es normalerweise den Blick abwendet.
Das Stück spielt mit dem Wechsel zwischen Präsenz und Abwesenheit: Die Schauspieler aus Fleisch und Blut konfrontieren sich mit virtuellen Präsenzen, Projektionen und Hologrammen, die den Bühnenraum erweitern und die Handlung in eine Dimension versetzen, die zwischen Theater und Videokunst schwebt.