Die Compagnie AiEP, eine Vorreiterin des auf neue Technologien angewandten experimentellen Tanzes, interpretiert das Ballett Coppélia aus dem 19. Jahrhundert neu und präsentiert eine zeitgenössische Version: eine posthumane Figur, die die traditionellen Grenzen zwischen Körper, Technologie und Natur in Frage stellt.
Ursprünglich als weibliches Abbild konzipiert, das aus männlichem Verlangen entstanden ist, hört Coppélia hier auf, Objekt der Projektion und Kontrolle zu sein, und verwandelt sich in eine autonome, sensible und beobachtende Präsenz.
Auf der Bühne versucht ihr Körper nicht mehr, den Menschen nachzuahmen, sondern entwickelt sich hin zu einer Form verteilter, nicht-hierarchischer Intelligenz, inspiriert von den Beziehungsmodellen lebender Wesen. Coppélia lehnt die Logik der Funktionalität und der Herrschaft ab und orientiert sich stattdessen an einer kontemplativen Dimension, in der Wahrnehmung, Zuhören und Interdependenz zu Formen des Wissens werden.
Durch die Bewegung konstruiert die Performance eine Körpersprache, die die starre Vorstellung von Identität auflöst und die vermeintliche Überlegenheit des Menschen gegenüber dem Lebendigen in Frage stellt. Daraus entsteht eine neue Ökologie der Beziehung, in der Intelligenz nicht mehr mit Kontrolle gleichgesetzt wird, sondern mit der Fähigkeit, zu koexistieren, in Verbindung zu treten und die Welt auf wechselseitige und nicht-destruktive Weise zu bewohnen.