Andrea De Rosa arbeitet erneut mit dem Dramatiker Fabrizio Sinisi zusammen und bringt Guerra civile auf die Bühne, ein Stück, das, inspiriert von dem lateinischen Epos Farsaglia von Marcus Annaeus Lucanus, Themen und Fragen behandelt, die sich durch die gesamte Geschichte des Abendlandes ziehen: das Verhältnis zwischen Macht und Gewalt, den Zusammenbruch von Institutionen, die Normalisierung des Krieges als politisches, moralisches und symbolisches Instrument.
Wir schreiben das Jahr 49 v. Chr. Julius Cäsar, Anführer der Armee, die Gallien erobert hat, hält am Ufer des Rubikons an, jenem Fluss, der die unüberwindbare Grenze zwischen dem militärischen Kommando und dem Gesetz Roms markiert. Ihn zu überqueren bedeutet, die Republik zu verraten, sich für den Krieg zu entscheiden. Als er ihn überschreitet, bricht die politische Ordnung augenblicklich zusammen: Caesar will sich zum Herrscher über den Staat machen. Aus diesem unumkehrbaren Schritt entsteht ein Bürgerkrieg, der das Ausmaß, die Grausamkeit und das Echo eines Weltkrieges hat: Brüder gegen Brüder, Stadt gegen Stadt, das Gesetz, das von der Gewalt überrollt wird. Der entfachte Krieg hat die Grausamkeit eines Weltkriegs: Von Italien bis Mauretanien, von Griechenland bis Ägypten wird er zu einem Mechanismus, der, einmal in Gang gesetzt, alles verschlingt, was ihm begegnet. Ein Konflikt, der sich über das gesamte Mittelmeer ausbreitet, bis hin zur katastrophalen Niederlage Pompeius’ bei Pharsalos und zur Umwandlung der ohnehin schon wankenden römischen Republik in eine Diktatur unter dem Kommando eines einzigen Mannes – Cäsar.
„Cäsar und Pompeius“, so De Rosa, „verwandeln sich so in Masken, in Archetypen einer Gewalt, die die Geschichte des Westens bis hin zu den schrecklichen Konflikten geprägt hat, die das Europa des 20. Jahrhunderts mit Blut überzogen haben. Das poetische Wort des Lucanus trifft auf eine zeitgenössische Theatersprache, lyrisch und zugleich gewalttätig, die versucht, direkt zu unserer Zeit zu sprechen.“