Entstanden aus dem Bedürfnis, die bestehende Kluft zwischen Beruf und Elternschaft zu hinterfragen und zu überwinden, ist Parentèle – Première relation das Ergebnis einer ersten Künstlerresidenz am LAC in Lugano, inszeniert von der Schweizer Choreografin Yasmine Hugonnet in Zusammenarbeit mit Silvia Costa.
Das Projekt bringt Choreografinnen, die gleichzeitig Mütter sind, auf die Bühne und entwirft eine Situation, in der die Anwesenheit der Kinder kein Hindernis oder organisatorisches Problem darstellt, sondern zu einem natürlichen und integrierten Bestandteil der beruflichen Praxis wird.
Die Inszenierung nimmt Gestalt an ausgehend von der Beziehung zwischen dem Körper der Mutter und dem des Kindes, die in choreografisches Material umgewandelt wird und als Ausgangspunkt für eine künstlerische Auseinandersetzung dient. Gleichzeitig thematisiert das Stück die Fragen, die sich ständig zwischen den beiden Rollen als Mutter und als Künstlerin verflechten; das eigene Kind mitzunehmen ist nicht immer die einfachste Lösung und kann erhebliche Kosten mit sich bringen, sowohl in finanzieller als auch in emotionaler Hinsicht.
In einem Kontext, in dem Künstlerinnen diese Herausforderungen oft alleine bewältigen müssen, möchte Parentèle – Première relation persönliche Erfahrungen sowie in Ensembles und Theatern verbreitete Normen und Praktiken untersuchen. Die Anwesenheit von Kindern auf der Bühne wird so zu einem integralen Bestandteil des performativen Ansatzes, trägt dazu bei, die Grenzen zwischen Privatleben und künstlerischem Schaffen neu zu definieren, und eröffnet einen Raum für gemeinsame Reflexion über das Verhältnis zwischen Mutterschaft und Arbeit in der Welt der darstellenden Künste.