Als Gewinnerin des Preises „Danza&Danza 2019“ als italienische Produktion des Jahres ist Graces eine Performance der Choreografin Silvia Gribaudi, die den poetischen Wert der Unvollkommenheit würdigt. Das Werk ist inspiriert von der Skulptur und dem Konzept von Schönheit und Natur, das Antonio Canova zwischen 1812 und 1817 schuf: Die drei Töchter des Zeus – Aglaia, Eufrosine und Talia – waren göttliche Wesen, die Glanz, Freude und Wohlstand verbreiteten.
Auf der Bühne stehen drei männliche Körper, drei Tänzer in einem skulpturalen Werk, das die Schönheit symbolisiert, auf einer Reise aus Können und Technik, die sie an einen Ort und in eine Zeit führt, die zwischen dem Menschlichen und dem Abstrakten schweben. Hier treffen sich das Männliche und das Weibliche, fernab von Stereotypen und Rollen, frei, und tanzen den Rhythmus der Natur selbst.
Mit auf der Bühne ist auch die Autorin Silvia Gribaudi, die sich gerne als „Autorin des Körpers“ bezeichnet, da ihre Poetik Unvollkommenheiten konstruktiv umwandelt und sie mit einer direkten, grausamen und einfühlsamen Komik zur Kunstform erhebt, in der es keine Grenzen zwischen Tanz, Theater und darstellender Kunst gibt.
In den letzten zehn Jahren hat sich Silvia Gribaudi mit Geschlechterstereotypen, der Identität des Weiblichen und dem Konzept der Virtuosität im Tanz und im Alltag auseinandergesetzt, wobei sie über die äußere Form hinausging und nach Leichtigkeit, Ironie und Humor in den körperlichen Veränderungen, im Älterwerden und in der Erweichung der Körper im Dialog mit der Zeit suchte.