Die junge Alice Sinigaglia führt Regie bei „Madri“, einem Stück des ebenso jungen Autors Diego Pleuteri, der zu den interessantesten Vertretern der neuen Dramatik zählt: ein intimes Stück, ein intensiver Dialog zwischen Mutter und Sohn, der die Zerbrechlichkeit familiärer Bindungen, die Last des Schweigens und die Unmöglichkeit, Gefühle in Worte zu fassen, erforscht.
Mütter
Diego Pleuteri / Alice Sinigaglia
© Capitani
1 Stunde 15 Minuten
Mütter
Diego Pleuteri / Alice Sinigaglia
© Capitani
1 Stunde 15 Minuten
Ein junger Mann besucht an einem regnerischen Nachmittag seine Mutter. Als er das Haus betritt, findet er das Wohnzimmer voller Kisten vor, die auf dem Tisch, auf dem Boden und auf den Stühlen verstreut sind. Inmitten dieses Durcheinanders bewegt sich die Frau ununterbrochen und redet dabei ununterbrochen weiter. Sie sucht nach einem alten Zeitungsartikel, den sie vor langer Zeit gelesen und dann aufbewahrt hat, in dem Versuch, sich an die letzten Worte eines Zitats zu erinnern: „Von Intimität ist nur noch … übrig geblieben?“ Als ob ihr Leben dort in der Schwebe geblieben wäre, in Erwartung, den Satz zu vervollständigen.
Bald lässt sich auch der Sohn in die Suche hineinziehen. Jeder Widerstand ist vergeblich: Der Ruf nach diesem vergessenen Wort ist zu stark, selbst für ihn. Aus den Kisten tauchen dann alte Fotoalben, Romane und kleine, beunruhigende Kakerlaken auf, die sich nur schwer beseitigen lassen. Zwischen Traum und Wirklichkeit, zwischen Handlung und Gedanken schwebend, versinken Mutter und Sohn in einem – so könnte man sagen – kollektiven Unbewussten, im Versuch, die verlorenen Worte wiederzufinden.
„Madri“
wurde bei den Ubu-Preisen 2025 als bestes neues italienisches Stück oder beste dramatische Schrift nominiert.
„Die Regie“, so Alice Sinigaglia, „beschäftigt sich mit dem Wort und damit mit dem Klang, dem flüchtigsten aller szenischen Elemente (so flüchtig wie die zarte Unsicherheit der beiden Figuren). Ob vielstimmig oder monolithisch, gespalten, überlagert – eine tiefgehende und komplexe Arbeit am Klang versucht, alle Ebenen der Gedankenverflechtung wiederzugeben, die der eigentliche Protagonist dieses Textes sind. Das dramaturgische und das inszenatorische Konzept verschmelzen, die Regieanweisungen werden zu Dialogen, die Dialoge zu Gedanken, die Gedanken zu Monologen, und die Monologe werden von denen gehört, die sie eigentlich vortragen sollten.“
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Palco Sala Teatro
von
Diego Pleuteri
Regie
Alice Sinigaglia
mit
Valentina Picello, Vito Vicino
Szenen
Alessandro Ratti
Lichter
Luca Scotton
Sounddesign
Federica Furlani
Produktion
La Corte Ospitale
in Koproduktion mit
„Scarti“ – Zentrum für innovatives Theater
unter Mitwirkung von
Region Emilia-Romagna
mit Unterstützung von
MiC und SIAE im Rahmen des Programms „Per Chi Crea“