Die Volkstheatergruppe Stivalaccio Teatro interpretiert eines der meistgespielten Stücke im Paris des frühen 18. Jahrhunderts neu: Il muto per spavento ist eine große Hommage an die Commedia dell’Arte und an die typisch italienische Fähigkeit, aus der Not eine Tugend zu machen.
1716. Nach etwa fünfzehn Jahren erzwungenen Exils kehren die Comici Italiani endlich als Protagonisten des Pariser Theaters zurück. Luigi Riccoboni, Künstlername Lelio, der Leiter der Truppe, umgibt sich mit den besten Darstellern Italiens, darunter zum ersten Mal in Frankreich der Arlecchino aus Vicenza, Tommaso Visentini (nomen omen), der bereit ist, den verstorbenen und geliebten Evaristo Gherardi zu ersetzen. Doch Visentini sprach kein Französisch, ein unverzeihlicher Mangel für das Publikum der Hauptstadt, und hier zeigt sich das Genie Riccobonis, der ein originelles Drehbuch erfindet, in dem der Diener aus Bergamo stumm wird … vor Schreck.
Ein Stück, in dem Spiel, Erfindungsreichtum, Liebe, Angst und Drama sich zwischen den unbeweglichen Grimassen der Masken vermischen und in dem sich die Handlungsstränge um Missverständnisse verwickeln und sich langsam zwischen den Fingern der Figuren entwirren.
Ein origineller Arlecchino, sowohl wegen der Wahl des unveröffentlichten Handlungsentwurfs als auch wegen des Willens, nach mindestens zwanzig Jahren des Schweigens die Commedia dell’Arte mit ihrem „Repertoire“ an Handwerkszeug wie Schauspiel, Gesang, Tanz, szenischem Kampf, Späßen und Improvisation wieder ins Rampenlicht zu rücken.