Ich werde dich immer überleben

Kollektiv Treppenwitz / Simon Waldvogel

Palco Sala Teatro

Vergangenes Ereignis

08 Januar 2025

20:00

Uraufführung

08.01.2025

LAC, Lugano

Tournée

20–21.04.2027

LAC, Lugano

08–09.01.2025

LAC, Lugano

Ich werde dich immer überleben

Kollektiv Treppenwitz / Simon Waldvogel

Palco Sala Teatro

Vergangenes Ereignis

08 Januar 2025

20:00

Uraufführung

08.01.2025

LAC, Lugano

Tournée

20–21.04.2027

LAC, Lugano

08–09.01.2025

LAC, Lugano

„Surviving you, always“ von Simon Waldvogel, das neueste Ergebnis der künstlerischen Arbeit des Kollektivs Treppenwitz – einer der innovativsten Gruppen der Tessiner Independent-Szene –, ist ein Eintauchen in die emotionale Welt der Trauer. Eine multidisziplinäre Erkundung, die die visuelle Nostalgie vergangener Bilder mit der Energie der Live-Musik und der Kraft der Performance verbindet. 

„Surviving you, always“ ist eine hybride Performance, die Live-Set, visuelle Installation und Poesie vereint. Sie entstand als Auseinandersetzung mit dem Thema Verlust, aber auch mit der Erinnerung an Menschen, mit denen wir einen Teil unseres Lebens verbracht haben und die nun nicht mehr unter uns sind. Die Körper auf der Bühne werden zur Leinwand, auf der die emotionale Landschaft der Trauer gemalt wird. Der Einsatz künstlerischer Techniken wie Collage, Überlagerungen und Vervielfältigungen trägt dazu bei, einen visuellen Raum zu schaffen, der die Komplexität dieses Gefühls widerspiegelt. Die originellen Musikkompositionen und Live-Darbietungen modulieren die Klangatmosphären, um den emotionalen Fluss der projizierten Bilder widerzuspiegeln und so Vergangenheit und Gegenwart zu vereinen. Das Publikum taucht in einen Raum ein, der die verschiedenen Schwellen durchquert, die das Leben der Zurückgebliebenen – der Überlebenden – begleiten. Die Performance wird so zu einer Gelegenheit, an einem Prozess der Verarbeitung und des Austauschs teilzunehmen, um die Trauer in eine kollektive Erfahrung zu verwandeln.  
Indem Erinnerungen auf die Bühne projiziert werden, versucht „Surviving you, always“, eine Erzählung zu weben, die die Vergangenheit feiert, die Gegenwart ehrt und einen Moment der Versöhnung mit der Zukunft bietet. 

Konzeption und Umsetzung 

Simon Waldvogel  

mit 

Giacomo Toccaceli, Francesca Sproccati, Simon Waldvogel 

Visuelles Konzept und Raumgestaltung 

Daniele Spanò 

Kostüme 

Francesca M. De Giorgio 

Lichtgestaltung 

Savino Caruso 

Musikkomposition und Live-Musik

Magda Drozd 

Mitarbeit an der Dramaturgie 

Ilaria Boffa 

äußeres Auge 

Carla Valente 

Regieassistenten 

Camilla Parini, Giacomo Toccaceli  

Produktion 

Kollektiv Treppenwitz, LAC Lugano Arte e Cultura 

in Koproduktion mit 

Südpol Luzern 

in Zusammenarbeit mit 

Le Grütli – Zentrum für Produktion und Vermittlung der darstellenden Künste, Genf; Kaserne Basel 

mit Unterstützung von 

DECS Republik und Kanton Tessin – Swisslos-Fonds, Pro Helvetia – Schweizer Kulturstiftung, Stadt Lugano, Abteilung für Veranstaltungen und Kongresse, SIS – Schweizerische Interpretenstiftung, Ernst-Göhner-Stiftung 

Künstlerresidenzen 

LAC Lugano Arte e Cultura, Kaserne Basel, Südpol Kriens 

Vor einigen Jahren habe ich bei einem Umzug einen alten Diaprojektor und Hunderte von Dias wiedergefunden, die das Leben meines Vaters von den 60er bis in die 90er Jahre dokumentierten: Bilder von seiner Kindheit bis zu seinem viel zu frühen Tod. Beim Durchblättern begann ich, mir ein Bild von einem Vater zusammenzusetzen, an den ich keine Erinnerung habe, und stellte fest, dass mich diese imaginäre Erinnerung weniger einsam und weniger leer fühlen ließ. 
Vor einigen Jahren hat der Verlust meiner Schwester mein Leben tief geprägt und neue Fragen aufgeworfen. Was geschieht, wenn jemand, den wir lieben, uns verlässt? Wie gestalten wir die Erinnerung? Können wir in der Erinnerung verweilen, sie verändern, um Trost zu finden? Und der Schmerz – welche Rolle spielt er? Verwandelt er sich oder bleibt er unveränderlich? Mit der Zeit scheint der Schmerz nachzulassen, aber in Wirklichkeit vergeht die Zeit nicht – sind wir es, die sie durchleben?
Mit diesen Fragen kehrte ich auf den Dachboden zurück und begann eine neue künstlerische Suche, die ich sofort als notwendig empfand, um die Trauer mit vielfältigen Ausdrucksformen zu erforschen. Daraus entsteht ein hybrides Stück: eine Kombination aus Live-Komposition, Performance, visueller Installation und Poesie. Diese Vielfalt spiegelt die Komplexität des Gefühls wider, das ich erforsche: einen tiefen Schmerz, der dennoch voller Licht ist. Es ist kein Stück über den Tod, sondern eine Feier des Lebens und derer, die zurückbleiben. Eine Widmung. Es soll ein Fest sein, ein Ort der Besinnung darauf, dass wir alle überlebt haben: geliebte Menschen, eine vergangene Kindheit, verlorene Landschaften. Der Verlust ist nicht nur Entbehrung, sondern kann sich in einen Ort verwandeln, an dem man leben kann, in ein fernes Land, das definiert, wer wir sind.
Auch der Körper ist Hüter der Erinnerung. Auf der Bühne wird er selbst zu einem Ort, an dem sich die Erinnerung durch Bewegungen, Gesten und Räume manifestiert, die Einblicke in die Intimität des Schmerzes gewähren. Dieser körperliche Dialog wird von Klanglandschaften begleitet, die direkt auf die Körperstruktur einwirken, denn Klang ist nicht nur Wahrnehmung, sondern Materie, die uns durchdringt und formt. Jede Erinnerung ist auch ein Verlust, und wir bestehen aus diesen Abwesenheiten: Wir bauen unsere Identität um den Raum dessen herum auf, was wir verloren haben.
Die Bühne wird so zu einem doppelten Ort: einem Spielfeld und einem Operationssaal, in dem wir das feiern, was nicht mehr da ist, uns aber weiterhin prägt. Die Erinnerung ist nicht nur individuell; sie ist kollektiv, universell, und vielleicht ist ihr stärkstes Symbol das Wasser. Das Wasser, das überall fließt, reißt Fragmente von allem mit sich und trägt eine unendliche Geschichte von Verwandlungen in sich. In einem ewigen Kreislauf wird nichts zerstört, alles verwandelt sich.