Romeo Castellucci, visionärer Regisseur und Mitbegründer der Socìetas in Cesena, präsentiert ein Werk, in dem die Handlung Vorrang vor dem Denken hat, das hier keinerlei Bedeutung zu haben scheint; das Denken verzichtet auf seine Rolle als Ursache, die Handlungen hervorbringt, und ebenso auf die Rolle als Richter über die gerade vollzogenen Handlungen. Alle wissen genau, was zu tun ist.

Absolute Protagonisten der Aufführung sind eine große Gruppe anonymer Männer – von der Straße rekrutiert –, die, nachdem sie ein Protokoll unterzeichnet haben, zu dessen getreuer Einhaltung sie sich verpflichten, über ein drahtloses Headset angeleitet werden und individuelle Befehle erhalten, denen sie in Echtzeit Folge leisten müssen. Wenige Minuten vor Beginn der Aufführung erhält jeder von ihnen eine Polizeiuniform und einen Kopfhörer; jede Handlung – sei sie einfach, komplex oder widersprüchlich – wird in der durch den Befehl vorgegebenen Zeit ausgeführt.

Die Aufführung ist ein regelrechtes anthropologisches Experiment, eine Reflexion über das Gesetz, über Gewalt, über die Funktionsweise der Polizei als eine Art Bruderschaft, als Clan.

Die Kostüme der „Schauspieler“ sind die Polizeiuniformen von vor einigen Jahrzehnten (mit expliziten Anspielungen auf die Komik des Stummfilms), um symbolisch auf die gemeinsame Kraft hinzuweisen, die alles und jeden beherrscht, und gleichzeitig die unnachgiebige individuelle Antwort hervorzuheben, die man dem Schicksal gibt, wenn dieses sich in zwingenden Begriffen präsentiert. Es geht um die unmittelbare Aneignung einer „zu spielenden“ Rolle: Handlungen, die auch dann ausgeführt werden müssen, wenn die Absichten nicht nachvollziehbar sind. Von den pseudo-schauspielerischen Darstellern wird verlangt, eine szenische Qualität zu verkörpern, die in der Unmittelbarkeit der Handlungsausführung lebt, die jede durchdachte Psychologie ausschließt, um der Wahrheit der Erfahrung Raum zu geben, denn was zählt, ist die unmittelbare Verkörperung der Antwort und nicht die gewiefte Improvisation derer, die das Handwerk beherrschen.

concezione e regia
Romeo Castellucci

musica
Scott Gibbons

dialogo drammaturgico
Piersandra Di Matteo

motti
Claudia Castellucci

con gli agenti
Valer Dellakeza, Luca Nava, Sergio Scarlatella

e con
uomini dalla strada

assistente alla regia
Filippo Ferraresi

sculture di scena e automazioni
Plastikart studio

realizzazione costumi
Grazia Bagnaresi

produzione
Socìetas

in coproduzione con
LAC Lugano Arte e Cultura, Kunsten Festival des Arts Brussels, Printemps des Comédiens Montpellier 2021, Maillon Théâtre de Strasbourg - Scène Européenne, Temporada Alta 2021, Manège-Maubeuge Scène nationale, Le Phénix Scène nationale Pôle européen de création Valenciennes, MC93 Maison de la Culture de Seine-Saint-Denis, Ruhrfestspiele Recklinghausen, ERT Emilia Romagna Teatro Italy, Holland Festival Amsterdam, V-A-C Fondazione, Triennale Milano Teatro, National Taichung Theater – Taiwan

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